Droht ein Herzinfarkt?

In den westlichen Industriestaaten, inzwischen aber auch in den sog. Schwellenländern, führen die Herzkreislauf-Erkrankungen die Todesursachen-Statistik an. Es sind nicht Krebs oder Unfälle, nein, 50% der Menschen hierzulande, sterben an  Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Erkrankung der Herzkranzgefäße, die sog. Koronare Herzerkrankung (KHK) und der Herzinfarkt spielen dabei eine große Rolle. Von 100.000 Einwohnern der BRD wird jedes Jahr bei 600 eine KHK neu diagnostiziert. Bei der Hälfte dieser Patienten ist das erste Symptom ein Herzinfarkt, jeder 10. von ihnen stirbt an einem Sekundenherztod. Dabei ist im Landkreis Germersheim die Herzinfarkt-Sterblichkeit bis zu doppelt so hoch, als im Bundesdurchschnitt (Quelle: Bruckenberger Herzbericht.)

Obwohl wir die Risikofaktoren kennen und obwohl wir heute zahlreiche Möglichkeiten haben, die individuellen Risikofaktoren recht genau einzuschätzen und entsprechend zu therapieren, bleiben bei zu vielen Menschen die Risiken unerkannt oder sie werden nicht richtig wahrgenommen und/oder nicht ausreichend therapiert. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind keineswegs ausschließlich typische Erkrankungen des höheren Lebensalters, 35jährige mit Herzinfarkt sind heute keine Seltenheit mehr. Auch Frauen sind zunehmend betroffen, nicht zuletzt, weil sich deren Lebensstil mehr und mehr jenem der Männer angleicht (z.B. Rauchen). Frauen laufen Gefahr, dass eine KHK nicht erkannt wird, weil man sie weniger bei ihnen erwartet und weil sie sich u.U. nicht unbedingt in typischer Weise, wie z.B. durch Brennen hinter dem Brustbein, äußert.  Auch der Begriff der “Manager-Krankheit“ gilt als überholt, da Stress alleine eine eher untergeordnete Rolle spielt. Die wichtigsten Risikofaktoren sind der erhöhte Blutdruck, erhöhtes Cholesterin und Nikotin, natürlich auch der Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Wenn einer der Eltern erkrankt ist, hat man quasi die Eintrittskarte, selbst zu erkranken. Der moderne Mensch bewegt sich zu wenig und isst zu üppig. Der erhöhte Blutdruck, der wichtigste Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen, bleibt häufig unerkannt, weil Beschwerden oft erst auftreten, wenn sogenannte Endorganschäden eingetreten sind, man also z.B. Herzbeschwerden bekommt. Als normalen Blutdruck bezeichnet man Werte von 140/90 mmHg. Mit jedem Anstieg von 20/10mmHg verdoppelt sich das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Durch Übergewicht gesellt sich nicht selten noch eine diabetische Stoffwechsel-Situation hinzu, die Zuckerwerte sind also erhöht – eine tickende Zeitbombe!

Einer der Endorganschäden ist z.B. auch das sogenannte Vorhofflimmern, eine für sich genommen relativ ungefährliche Rhythmusstörung. Durch Vorhofflimmern bilden sich aber gerne Gerinnsel im Herzen, die wiederum Schlaganfälle verursachen können. Vorhofflimmern ist heute die häufigste Rhythmusstörung und weiter auf dem Vormarsch.

Für das Erkennen der Risiken ist der Kontakt zum Hausarzt wichtig. Sind Risikofaktoren erkannt, sollten diese konsequent angegangen werden. Der Facharzt, der Kardiologe, ist für alle Fragen zu Herz – u. Kreislauferkrankungen der richtige Ansprechpartner. Hoher Blutdruck und zunehmende Luftnot? Rhythmusprobleme? Schmerzen in der Brust, im Rücken oder im Oberbauch unter Belastung oder gar in Ruhe? Blutdruck trotz der verordneten Medikamente noch zu hoch? Ist das Herz vom hohen Blutdruck schon geschädigt? Welches sind die richtigen Medikamente? Patienten, die bereits gesichert am Herzen erkrankt sind, die also z.B. einen Stent bekommen haben oder sogar schon einmal einen Herzinfarkt gehabt haben, sollten mindestens einmal pro Jahr zum Kardiologen. Für manche Fragen, z.B. Veränderungen an den Herzklappen, ist auch ein zweimaliger oder häufigerer Besuch im Jahr erforderlich. Gerade auch wegen der hohen Herzinfarktsterblichkeit in der Region, streben wir eine bessere kardiologische Versorgung vor Ort an – das im neuen Jahr in Kandel in Betrieb gehende Herzkatheter-Labor wird zusätzlich einen wichtigen Beitrag leisten.

Schauen Sie hier gerne auch unseren Vortrag, den wir im Rahmen der Herzwochen 2011 der Deutschen Herzstiftung gehalten haben, an – hier erfahren Sie auch, was man tun kann, wenn der Blutdruck trotz Einnahme von 3 und mehr Medikamenten nicht den Zielwert von 140/90mmHg erreicht. Klicken Sie hierzu bitte auf die blaue Überschrift.